top of page

Sommer mit Hund: Zwischen Abenteuerlust und Ruhebedürfnis

Wenn der Sommer plötzlich mehr Kraft kostet

Der Sommer hat uns in diesem Jahr ziemlich deutlich gezeigt, was Hitze bedeutet. Über einen langen Zeitraum war es sehr warm und bei uns zu Hause hat sich dabei vor allem eines gezeigt: Sommer ist nicht jedes Jahr gleich Sommer.


Rosalie ist mittlerweile 14 Jahre alt und ich merke in diesem Jahr zum ersten Mal sehr deutlich, dass ihr höhere Temperaturen wesentlich mehr zu schaffen machen als noch im vergangenen Sommer. An den wirklich heißen Tagen hatte Rosalie keinen einzigen richtigen Spaziergang. Nicht einen. Wir waren kurz zum Lösen draußen und das war es dann auch schon. Sie hat deutlich mehr geschlafen als sonst, sich wenig bewegt und auch ihr Fressverhalten verändert. Sie hatte weniger Appetit, fraß kleinere Mengen und teilweise zu ganz anderen Tageszeiten als gewöhnlich. Und weil selbst die Abende oft kaum Abkühlung brachten, gab es eben auch keine obligatorische Abendrunde, nur damit am Ende des Tages ein Spaziergang auf dem "Hunde-Pflichtprogramm" abgehakt werden konnte.


Und weißt Du was? Das war völlig in Ordnung. Ich musste Rosalie nicht erklären, dass sie sich bei hohen Temperaturen besser schonen sollte. Ihr Körper wusste ziemlich genau, was er brauchte. Meine Aufgabe bestand vielmehr darin, diese Bedürfnisse wahrzunehmen und unseren Alltag entsprechend anzupassen.

Genau das ist für mich einer der wichtigsten Gedanken beim Thema Sommer mit Hund: Nicht unser Kalender, unsere Gewohnheiten oder unsere Vorstellung eines schönen Sommertages sollten bestimmen, was wir unternehmen. Entscheidend ist der Hund, der heute vor uns steht. Und dessen Bedürfnisse können sich verändern, mit der Temperatur, mit der Tagesform, mit gesundheitlichen Veränderungen und eben auch mit dem Alter.


Warum viele Hunde bei Hitze einen Gang zurückschalten

Dass viele Hunde bei hohen Temperaturen mehr schlafen und weniger aktiv sind, hat einen guten Grund. Hunde können ihre Körpertemperatur nicht so regulieren wie wir Menschen. Sie besitzen zwar Schweißdrüsen, insbesondere im Bereich der Pfoten, für ihre Kühlung spielt jedoch vor allem das Hecheln eine entscheidende Rolle. Dabei verdunstet Feuchtigkeit über die Atemwege und die Zunge und Wärme kann abgegeben werden.

Körperliche Aktivität erzeugt wiederum zusätzliche Wärme. Der Organismus muss also nicht nur mit der hohen Umgebungstemperatur zurechtkommen, sondern auch die durch Bewegung entstehende Wärme wieder abgeben. Weniger Aktivität kann deshalb eine ausgesprochen sinnvolle Strategie sein. Was von außen manchmal nach Faulheit aussieht, ist körperlich betrachtet ziemlich clever.


Besonders aufmerksam sollten wir bei älteren Hunden, Welpen, übergewichtigen Hunden, kurznasigen Rassen sowie Tieren mit Herz oder Atemwegserkrankungen sein. Aber auch ein junger und gesunder Hund ist nicht automatisch hitzefest. Und nicht jeder Hund trifft vernünftige Entscheidungen für seinen eigenen Körper. Es gibt genügend Kandidaten, die auch bei hohen Temperaturen begeistert einem Ball hinterherlaufen würden, bis der Körper irgendwann die Reißleine zieht.

Gerade bei älteren Hunden finde ich einen Gedanken besonders wichtig: Wir sollten nicht ständig mit dem vergleichen, was früher möglich war. Rosalie ist derselbe Hund wie im vergangenen Sommer und trotzdem haben sich ihre Bedürfnisse verändert. Das ist keine Schwäche und kein Grund, sie zu mehr Aktivität zu motivieren. Es bedeutet schlicht, dass ich unsere gemeinsamen Tage heute anders gestalten muss als vielleicht noch vor einem Jahr.


Bewegung ist ein Bedürfnis, aber kein Pflichtprogramm

Natürlich brauchen Hunde Bewegung. Sie möchten schnüffeln, erkunden, sich lösen, Informationen über ihre Umwelt sammeln und ihren Körper benutzen. Daraus folgt aber nicht, dass jeder Hund unabhängig von Temperatur und Tagesform täglich dieselbe Runde absolvieren muss.

Bei manchen Hunden kann ein kurzer Spaziergang am frühen Morgen genau richtig sein. Andere möchten später noch einmal kurz raus. Wenn es ausreichend abkühlt, können größere Runden in angenehmere Tageszeiten gelegt werden. Schattige Waldwege sind dann meist eine bessere Wahl als freie Flächen und aufgeheizte Straßen.

Und wenn aus der geplanten Stunde nach zwanzig Minuten genug ist, darf man umdrehen. Der Wald nimmt es nicht persönlich und ist morgen höchstwahrscheinlich noch da.


Bei extremer Hitze kann die sinnvollste Variante aber tatsächlich darin bestehen, nur kurz zum Lösen hinauszugehen. Genau so haben wir es mit Rosalie gemacht. Ein paar Tage ohne ausgedehnte Spaziergänge führen nicht dazu, dass ein Hund plötzlich seine gesamte Muskulatur verliert oder vor Langeweile die Inneneinrichtung neu gestaltet.


Was mich eher beschäftigt, ist die Vorstellung, dass wir Menschen manchmal stärker an einer Routine festhalten als der Hund selbst.


Wenn unser perfekter Sommertag für den Hund gar nicht perfekt ist

Sommer bedeutet für uns häufig rausgehen, etwas erleben und das schöne Wetter nutzen. Stadtfest, Markt, Biergarten, Badesee, Familienausflug. Und natürlich soll der Hund mitkommen, schließlich gehört er zur Familie.

Aber Zugehörigkeit bedeutet nicht automatisch, überall dabei sein zu müssen. Viele Hunde begleiten uns treu auf Stadtfeste, Märkte oder an überfüllte Badeseen. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass sie dort auch sein möchten. Da sich unsere Hunde nicht so häufig beschweren, laufen sie mit, passen sich an und versuchen, mit der Situation zurechtzukommen. Wir sehen vielleicht einen entspannten Nachmittag auf dem Stadtfest. Unser Hund erlebt Menschenbeine, Kinderwagen, Musik, fremde Hunde, Essensgerüche, wenig Abstand und kaum Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Was für uns Freizeit ist, kann für ihn ziemlich anstrengende Arbeit sein. Genau das macht die Beurteilung manchmal schwierig. Denn nur weil ein Hund etwas mitmacht, bedeutet das nicht automatisch, dass er es genießt. Viele Hunde ertragen Situationen erstaunlich geduldig.


Die spannendere Frage lautet deshalb nicht: „Kann mein Hund das aushalten?“


Sondern: „Würde mein Hund das wählen, wenn er die Entscheidung treffen könnte?“


Natürlich muss unser Hund deshalb nicht künftig mit einem Terminkalender am Küchentisch sitzen und über die Wochenendplanung abstimmen, aber wir dürfen seine Bedürfnisse bei unseren Entscheidungen berücksichtigen. Und manchmal ist die hundefreundlichste Entscheidung tatsächlich, ohne Hund zu gehen.


Ruhig ist nicht automatisch entspannt

Gerade wenn Hunde uns zu Veranstaltungen, in Restaurants oder an andere belebte Orte begleiten, lohnt sich ein genauer Blick auf ihre Körpersprache. Denn Überforderung sieht nicht bei jedem Hund gleich aus. Manche bellen, ziehen oder werden unruhig. Andere werden still, bewegen sich kaum noch oder legen sich hin.

Ein Hund kann zwei Stunden unter einem Tisch im Biergarten liegen und trotzdem nicht eine Minute davon wirklich geschlafen haben. Vielleicht beobachtet er jeden vorbeilaufenden Hund, reagiert auf Bewegungen unter den Nachbartischen und versucht permanent, seine Umgebung im Blick zu behalten. Von außen sieht das wunderbar entspannt aus. Für den Hund ist es trotzdem anstrengend.

Kann er tatsächlich abschalten? Verändert sich seine Atmung? Wie ist seine Körperspannung? Kann er Abstand nehmen? Hat er ausreichend Platz und einen geschützten Liegeplatz? Schläft er wirklich oder liegt er lediglich da?

Bedürfnisorientierung bedeutet dabei nicht, Hunde vor sämtlichen Erfahrungen zu schützen. Sie dürfen die Welt kennenlernen und Herausforderungen bewältigen. Aber zwischen einer bewältigbaren Erfahrung und schlichtem Aushalten besteht ein Unterschied.


Mehr Schlaf ist nicht automatisch Langeweile

Mit weniger Bewegung kommt bei vielen Hundehaltern schnell die nächste Sorge: Ist mein Hund jetzt nicht völlig unterfordert?

Also wird das ausgefallene Gassi durch Beschäftigung Zuhause ersetzt. Ein bisschen Sucharbeit, ein Denkspiel, vielleicht noch eine kleine Trainingseinheit. Schließlich hat der Hund heute noch gar nichts gemacht. Vielleicht ist genau das aber sein Plan.

Ruhe ist kein Mangel an Beschäftigung, sondern ein grundlegendes Bedürfnis. Gerade wenn der Körper bereits damit beschäftigt ist, seine Temperatur zu regulieren, darf der restliche Tagesplan ausgesprochen unspektakulär aussehen.

Rosalie hat während der heißen Tage sehr viel geschlafen. Also habe ich sie schlafen lassen. Kein schlechtes Gewissen und kein abendliches Animationsprogramm, damit sie wenigstens noch „etwas gemacht“ hat.


Wenn sich auch der Appetit verändert

Bei Rosalie hat sich während der Hitze nicht nur das Schlafbedürfnis verändert. Sie hat auch deutlich weniger gefressen und ihre Mahlzeiten teilweise zu anderen Zeiten eingefordert als sonst.

Das ist durchaus nachvollziehbar. Aktivität, Energiebedarf, Umgebungstemperatur und Wohlbefinden können das Fressverhalten beeinflussen. Manche Hunde fressen an sehr warmen Tagen kleinere Mengen oder bevorzugen andere Zeiten. Statt auf der gewohnten Uhrzeit zu bestehen, kann es sinnvoll sein, auch hier etwas flexibler zu werden.


Das bedeutet allerdings nicht, jede Futterverweigerung automatisch der Hitze zuzuschreiben. Frisst ein Hund plötzlich gar nicht mehr, hält die Veränderung an oder kommen Erbrechen, Durchfall, Apathie oder andere Auffälligkeiten hinzu, sollte die Ursache abgeklärt werden. Gerade bei Senioren und gesundheitlich vorbelasteten Hunden würde ich Veränderungen lieber einmal zu viel ernst nehmen als einmal zu wenig.


Frisches Wasser sollte selbstverständlich jederzeit erreichbar sein. Durch das Hecheln geht Flüssigkeit verloren und der Bedarf kann bei hohen Temperaturen entsprechend steigen.


Wasser kann herrlich sein, wenn der Hund das genauso sieht

Für manche Hunde ist ein See im Sommer tatsächlich das Größte. Andere waten höchstens mit den Pfoten hinein und einige schauen bereits beim Anblick des Wassers so, als hätten wir ihnen gerade einen ausgesprochen schlechten Vorschlag gemacht.

Auch hier muss nichts erzwungen werden. Ein Hund braucht kein Schwimmtraining, nur weil Sommer ist. Wenn er Wasser mag, kann es eine wunderbare Möglichkeit zur Bewegung und Abkühlung sein. Wenn nicht, gibt es genügend andere Möglichkeiten, einen heißen Tag angenehm zu gestalten.


Bei natürlichen Gewässern sollte außerdem auf die Wasserqualität geachtet werden. Insbesondere bei länger anhaltender Wärme können sich in nährstoffreichen Gewässern Cyanobakterien, umgangssprachlich Blaualgen, stark vermehren. Einige Arten können Giftstoffe bilden, die für Hunde gefährlich sind. Bestehen Warnungen für ein Gewässer oder wirkt das Wasser auffällig verfärbt, sollte der Hund nicht darin baden oder daraus trinken.


Auch bei begeisterten Schwimmern gilt übrigens nicht automatisch: viel hilft viel. Gerade beim ständigen Apportieren im Wasser können Hunde erhebliche Mengen Wasser aufnehmen. Außerdem ist Schwimmen körperliche Arbeit, selbst wenn der Hund der Meinung ist, dass der Ball unbedingt noch ein 48. Mal geholt werden muss, hier müssen wir Menschen die Verantwortung übernehmen und entscheiden, wann es genug ist.


Wasserrute: Wenn nach dem Badespaß plötzlich die Rute hängt

Nach intensivem Schwimmen oder anderer ungewohnt starker Belastung kann bei manchen Hunden eine sogenannte Wasserrute auftreten. Besonders häufig wird sie bei Retrievern sowie aktiven Jagd und Arbeitshunden beschrieben. Labrador Retriever und Golden Retriever gehören zu den häufiger betroffenen Rassen, grundsätzlich kann es aber auch andere Hunde treffen.


Typisch ist eine plötzlich veränderte Rutenhaltung. Die Rute hängt schlaff herunter, teilweise steht sie am Ansatz zunächst noch etwas ab und fällt dann nach unten. Der Bereich am Rutenansatz kann deutlich schmerzhaft sein. Manche Hunde setzen sich ungern hin, wirken unruhig, finden schlecht eine angenehme Liegeposition oder reagieren empfindlich auf Berührungen.

Da eine plötzlich hängende Rute auch andere Ursachen haben kann, sollte sie tierärztlich abgeklärt werden. Eine Wasserrute kann sehr schmerzhaft sein und der Hund braucht Ruhe sowie gegebenenfalls eine tierärztlich abgestimmte Schmerztherapie. Schmerzmittel aus der menschlichen Hausapotheke sind keine geeignete Eigenbehandlung.


Hat ein Hund bereits eine Wasserrute entwickelt oder neigt dazu, sind kürzere Badeeinheiten, Pausen und das Vermeiden von Auskühlung sinnvoll. Und gerade beim wasserbegeisterten Labrador müssen manchmal wir die Vernunft übernehmen.


Bei fast 40 Grad auf dem Gehweg, wirklich?

Es gibt Dinge, bei denen ich jedes Jahr denke, dass wir darüber inzwischen eigentlich nicht mehr reden müssten. Und dann stelle ich fest: Doch. Müssen wir.

In den vergangenen Wochen habe ich immer wieder Menschen gesehen, die bei Temperaturen um die 40 Grad mit ihren Hunden unterwegs waren. Nicht auf einem schattigen Waldweg, sondern auf Asphalt, Pflastersteinen und Gehwegen, teilweise mitten am Tag. Und ganz ehrlich, dafür fehlt mir das Verständnis.

Denn entscheidend ist nicht nur die Lufttemperatur. Asphalt, Beton und Pflaster nehmen Sonnenstrahlung auf und können sich erheblich stärker aufheizen als die Umgebungsluft. Während wir mit Schuhen darüberlaufen, haben unsere Hunde diesen Luxus nicht. Ihre Pfotenballen sind zwar robuster als unsere Fußsohlen, aber keineswegs unempfindlich gegenüber Hitze. Verbrennungen sind möglich. Gleichzeitig produziert die Bewegung zusätzliche Körperwärme und belastet damit genau das System, das ohnehin versucht, den Hund vor Überhitzung zu schützen.


Wenn Du unsicher bist, wie heiß ein Untergrund ist, kannst Du ihn mit Deiner Hand prüfen. Noch wichtiger finde ich aber eine andere Frage: Muss dieser Spaziergang bei extremer Hitze überhaupt stattfinden? Vielleicht muss die Runde nicht auf eine andere Straße verlegt werden, vielleicht muss sie einfach nicht stattfinden.


Und weil wir schon bei Dingen sind, über die wir eigentlich nicht mehr reden müssten: Ein Hund gehört bei sommerlichen Temperaturen nicht in ein abgestelltes, sich aufheizendes Auto. Ein geöffnetes Fenster macht daraus keine klimatisierte Umgebung. Ein Fahrzeug kann sich bei Sonneneinstrahlung innerhalb kurzer Zeit gefährlich aufheizen und eine Überhitzung kann für den Hund lebensbedrohlich werden.


Sommer mit Hund bei hohen Temperaturen, Temperaturentwicklung im Auto

Der Hund wird keinen Bewegungsmangel entwickeln, weil eine Gassirunde ausfällt. Eine Überhitzung dagegen kann innerhalb kurzer Zeit zum medizinischen Notfall werden.


Sommerurlaub mit Hund, oder vielleicht auch einmal ohne?

Für uns bedeutet Urlaub meistens Erholung. Für unseren Hund bedeutet er zunächst einmal Veränderung. Lange Autofahrt, fremde Unterkunft, neue Gerüche, ungewohnte Geräusche, veränderte Abläufe und häufig ein Tagesprogramm, das deutlich voller ist als zu Hause. Das kann für einen Hund großartig sein. Es kann aber genauso gut ziemlich anstrengend sein.


Deshalb finde ich die Frage wichtig, ob ein Urlaub wirklich dadurch hundefreundlich wird, dass der Hund mitkommt. Für einen Hund, der Autofahren liebt, neue Umgebungen entspannt erkundet und auch unterwegs gut schlafen kann, kann eine gemeinsame Reise wunderbar sein. Für einen unsicheren Hund, einen Senior oder einen Hund, der Veränderungen schlecht verkraftet, kann eine vertraute Betreuung zu Hause die deutlich angenehmere Alternative sein.


Und wenn der Hund mitreist, muss er trotzdem nicht jede Altstadt, jeden Ausflug und jedes Restaurant gesehen haben. Urlaub darf auch für ihn aus Schlafen, Schnüffeln und ziemlich viel Nichtstun bestehen.


Vielleicht ist genau das der entscheidende Perspektivwechsel: Nicht „Wie können wir unseren Hund überall mitnehmen?“, sondern „Welche Lösung ist für unseren Hund die beste?“


Der beste Sommerplan steht in keinem Ratgeber

Natürlich gibt es sinnvolle Empfehlungen für heiße Tage. Früh oder spät spazieren gehen, Schatten suchen, ausreichend Wasser anbieten, körperliche Belastung reduzieren und Überhitzung vermeiden. Aber kein Ratgeber kennt Deinen Hund.

Er weiß nicht, ob Dein Hund 14 Jahre alt ist oder zwei. Ob er gesundheitliche Einschränkungen hat. Ob er Hitze gut verträgt oder bereits bei 24 Grad den nächstbesten Fliesenboden sucht. Ob er begeistert schwimmt oder Wasser für eine vollkommen überbewertete Erfindung hält. Und er weiß auch nicht, wie es Deinem Hund genau heute geht. Genau deshalb ist Beobachten für mich wichtiger als das starre Befolgen irgendeiner Sommer Checkliste.


Rosalie erinnert mich in diesem Jahr sehr deutlich daran. Sie ist derselbe Hund wie im vergangenen Sommer und trotzdem braucht sie heute etwas anderes. Ich kann an unseren bisherigen Routinen festhalten, weil wir das schließlich immer so gemacht haben. Oder ich kann den Hund sehen, der heute vor mir steht. Bedürfnisorientiertes Zusammenleben bedeutet für mich nicht, dass der Hund sämtliche Entscheidungen trifft. Es bedeutet, seine Bedürfnisse genauso ernst zu nehmen wie unsere eigenen und sie in unsere Entscheidungen einzubeziehen. Manchmal heißt das, sehr früh in den Wald zu fahren. Manchmal wird aus dem geplanten Badeausflug ein Tag im kühlen Wohnzimmer. Und manchmal machen wir einfach gar nichts.


Fazit: Sommer mit Hund darf unspektakulär sein

Sommer mit Hund muss nicht bedeuten, möglichst viele Abenteuer in möglichst viele sonnige Tage zu packen. Ein guter Sommer entsteht nicht daran, wie viel wir gemeinsam unternommen haben, sondern daran, ob das, was wir tun, zu unserem Hund passt.

Vielleicht liebt Dein Hund den frühen Morgenspaziergang durch den Wald. Vielleicht könnte er den ganzen Tag schwimmen. Vielleicht möchte er momentan hauptsächlich schlafen. Sein perfekter Sommertag darf völlig anders aussehen als Deiner.


Das Entscheidende ist nicht, ob unser Hund überall dabei sein kann. Entscheidend ist, ob wir bereit sind wahrzunehmen, wie es ihm dabei geht.


Bevor Du also den nächsten Sommertag planst, solltest Du deinen Hund beobachten, ihm zuhören und Dich fragen: Was braucht mein Hund heute wirklich?

Die Antwort ist manchmal überraschend einfach. Und manchmal lautet sie schlicht: Heute machen wir gar nichts. Auch das kann ein verdammt guter Sommertag sein.


Häufige Fragen zum Sommer mit Hund

Warum schlafen Hunde bei Hitze mehr?

Bei körperlicher Aktivität entsteht zusätzliche Wärme, die der Hund wieder abgeben muss. Viele Hunde reduzieren bei hohen Temperaturen deshalb ihre Aktivität und ruhen mehr. Besonders ältere Hunde können während Hitzeperioden ein deutlich erhöhtes Ruhebedürfnis zeigen.


Kann ein Spaziergang bei großer Hitze ausfallen?

Ja. Abhängig von Temperatur, Alter, Gesundheitszustand und individuellen Bedürfnissen kann es sinnvoll sein, Spaziergänge deutlich zu verkürzen oder bei extremer Hitze auf eine klassische Gassirunde zu verzichten. Möglichkeiten zum Lösen müssen natürlich weiterhin vorhanden sein.


Warum frisst mein Hund bei Hitze weniger?

Bei manchen Hunden verändert sich während hoher Temperaturen der Appetit. Sie fressen beispielsweise kleinere Portionen oder zu anderen Tageszeiten. Hält eine deutliche Futterverweigerung an oder treten weitere Beschwerden auf, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.


Muss mein Hund im Sommer überall mitkommen?

Nein. Ein Hund muss weder auf Stadtfeste noch in volle Biergärten oder an überfüllte Badeseen mitgenommen werden. Entscheidend ist, ob die jeweilige Situation für den individuellen Hund angenehm und bewältigbar ist und ob ausreichend Ruhe und Rückzug möglich sind.


Was ist eine Wasserrute beim Hund?

Bei einer Wasserrute hängt die Rute plötzlich schlaff herab und der Bereich am Rutenansatz kann stark schmerzhaft sein. Sie tritt häufig im Zusammenhang mit intensiver körperlicher Belastung und Schwimmen auf. Da auch andere Ursachen möglich sind, sollte eine plötzlich veränderte Rutenhaltung tierärztlich abgeklärt werden.


Welche Hunde neigen zur Wasserrute?

Besonders häufig wird eine Wasserrute bei Retrievern sowie aktiven Jagd und Arbeitshunden beschrieben. Labrador Retriever und Golden Retriever zählen zu den häufiger betroffenen Rassen. Grundsätzlich kann sie jedoch auch bei anderen Hunden auftreten.


Woran erkenne ich eine gefährliche Überhitzung beim Hund?

Sehr starkes oder anhaltendes Hecheln, Schwäche, Taumeln, Erbrechen, auffällige Schleimhäute, Teilnahmslosigkeit oder Bewusstseinsstörungen können auf eine gefährliche Überhitzung hinweisen. Bei einem Hitzeschlag ist die Körpertemperatur des Hundes viel zu hoch, bis 41 Grad und höher. Ab diesem Moment werden Proteine/Eweiss im Körper zerstört und es kommt im ganzen Körper zu Zellschäden bis zu Organversagen. Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall und muss sofort tierärztlich behandelt werden. Noch vor dem Eintreffen beim Tierarzt und auf dem Weg dahin, ist der Hund, nach neusten Erkenntnissen, so schnell wie möglich runterzukühlen. Permanenter kalter Wasserfluss, auch Eiswürfel sowie Ventialoren, die auf das nasse Fell gerichtet werden. Im Auto solltet ihr dann die Klimaanlage voll aufdrehen. Informiert den Tierarzt vorab telefonisch, so kann er sich entsprechend vorbereiten.


Über die Autorin

Ich bin Ina Hellmann, Verhaltens- und Ernährungsberaterin für Hunde und Gründerin von Inas Hundewelt in Weimar. In meiner Arbeit betrachte ich Verhalten nicht isoliert. Bedürfnisse, Gesundheit, Ernährung, Stress, Schlaf und die individuelle Lebensgeschichte eines Hundes können entscheidenden Einfluss darauf haben, wie er sich im Alltag verhält.

Mein Ziel ist nicht, dass Hunde einfach funktionieren. Ich möchte Menschen dabei unterstützen, ihren Hund besser zu verstehen, Ursachen zu erkennen und Entscheidungen zu treffen, die zu genau ihrem Hund passen. Denn gutes Zusammenleben beginnt für mich nicht mit der Frage, wie wir einen Hund dazu bringen, etwas zu tun, sondern damit, dass wir verstehen, was er uns längst zeigt.

Kommentare


bottom of page